Kassai - Reiterbogenschule Österreich
Home Schule Österreich Seminare & Termine Angebote Pferdeausbildung Meister Lajos Kassai Die Kampfkunst-Schule Der Wettkampf

Reiterbogen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Internationales Trainingscamp vom 8. - 15. April 2007 in Ungarn

"Dear Horseback Archers! April 08-15, 2007 we had a successful international training camp for leaders with Pettra Engelaender (Germany), Todd Delle and Alex Tiberi (USA), Johannes Fischnaller and Kerstin Pressel (Austria), Arnt-Jonny Alme (Norway), Guo Lei (China) and Aristotelis Kalentzis (Greece). The aim of the training camp was to deepen the relationship between the horse and the rider, to have a better team-work, and we made preparations for the next year´s world-meeting (which will take part on the first Saturday of the July, 2008). Everybody left the valley very tired, but rich in experiences. The results achieved on the competition show that we had very little time for the horseback archery; instead we spent a lot of time practicing form exercises with the horses. To our all pleasure the horses did a great job. Their teaching advances at a quick pace, and will be suitable for the executing of the exercises planned for fall.

Best regards, Kassai Lajos"

In diesem Text hat Lajos wohl die wesentlichen Informationen zusammengefasst. Wer, was, wann, wo, wie. Um auch die Stimmung dieser Woche zu vermitteln, ein persönlicher Bericht:

Jedesmal, wenn mich einer meiner Schüler, der zum ersten Mal nach Ungarn mitkommt, fragt, worauf er sich vorbereiten soll, sage ich ihm, dass ich keine Ahnung habe. Mein Motto für Aufenthalte bei Lajos Kassai ist schon seit langem: "Be prepared for everything."
Meine Frau Kerstin und ich waren sehr neugierig, ein wenig aufgeregt, jedenfalls sehr gespannt auf das Trainingscamp. Ganz unerfahren sind wir ja nicht, wir fahren regelmässig zu den offenen Tagen, aber dieses Camp, bei dem das Tal eine Woche lang "uns gehört", war doch mit vielen Unbekannten versehen. Alle davon haben vier Beine. Vor etwas mehr als einem Jahr hat Lajos begonnen, die Pferde auszutauschen. Fast alle der alten Routiniers helfen jetzt Schülern und Lehrern dabei, ihr eigenes Training voranzubringen und haben ihren Stallplatz für 2-4 jährige Shagya-Araber freigemacht. Die wurden aus einer mehrhundertköpfigen Herde herausgefangen und ins Tal gebracht, alle paar Wochen ein neues Paar. Wir hatten mit diesen Pferden noch nicht allzuviele Erfahrungen gemacht, ihre Ausbildung nur sporadisch begleitet. Und jetzt sollten wir - ja was?

Trainingscamp
Bildergalerie

Wir waren nicht allein mit dieser Frage: Todd Delle und Alex Tiberi aus den USA, Pettra Engelaender aus Deutschland, Arnt-Jonny Alme aus Norwegen, sie alle hatten schon ein oder mehrere Trainingscamps mitgemacht und wussten wie wir, dass wieder einmal alles ganz anders sein würde. Ein wenig bemitleidenswert waren dagegen Guo Lei aus China and Aristotelis Kalentzis aus Griechenland. Ihr erstes Trainingscamp - sie würden einige Zeit brauchen, die Fülle von Eindrücken und Erkenntnissen zu verarbeiten - ihre Körper, die Anstrengungen in Ausdauer zu verwandeln.

Eines der Hauptziele des Camps, so stellte sich rasch heraus, war, die Beziehung zwischen Reiter und Pferd zu vertiefen. Jeder Reiter bekam ein Pferd zugewiesen, mit dem er die ganze Woche über arbeiten sollte und eine Reihe von Aufgaben gestellt bekam.

Bodenarbeit war die erste Übung des Tages. Das Pferd dazu zu bringen, im Kreis um den Reiter zu traben, auch durch den See, einen Hang runter und über Baumstämme, es danach in den Hänger zu schicken, schien keine unlösbare Aufgabe. Tatsächlich ist es ja auch nur eine Übung darin, die eigenen Leadership-Qualitäten dem Pferd zu vermitteln. Für die in Sachen Horsemanship nicht so erfahrenen Teilnehmer erst einmal eine wunderbare Gelegenheit, ihre Körpersprache und deren Wirkung zu reflektieren und sich mit ihrer Hilfe klar auszudrücken.

Die Beziehung zwischen Reiter und Pferd zu vertiefen kann auch richtig anstrengend werden: ein Ausflug war angesagt. Allerdings kein Ausritt: wir sollten unsere Pferde führen und das ihnen Abverlangte auch einmal selbst leisten. Also: das Pferd an der Schulter durch den Wald, bergauf, bergab, über den Kanal springen und einige Kilometer traben. Lernziel: ein Team bilden und gemeinsam die Hindernisse bewältigen. Erst am nächsten Tag wurde diese neue Partnerschaft erstmals erprobt: auf dem Ausritt gingen wir durchs Moor und über "Stock und Stein", durch einen "Parcour" aus riesigen Holzfeuern, sprangen über den Kanal und galoppierten langsam und einzeln über die Sumpfwiese. Vertrauensbildende Maßnahmen auf beiden Seiten: die Pferde lernten, dass wir ihnen nichts Unmögliches abverlangen, wir lernten, dass sie ihren Aufgaben ruhig und gelassen gegenübertraten.

Impressionen
Bildergalerie

Das voneinander Lernen setzte sich täglich auf dem Reitplatz fort: Bei den Bodenübungen waren es die Formationsübungen - etwa schnell eine korrekte Flankenreihe zu bilden - , Seitwärts- und Rückwärtsschicken, Trab und Galopp mit dem Pferd an der Hand mit schnellen Stopps und Kehrtwendungen. Bevor wir dann im Sattel den Bogen in die Hand nehmen durften, mussten die Teams lernen, auch im Trab in beiden Richtungen auf dem Zirkel zu bleiben und diesen mit den Schenkeln und dem Gewicht zu halten.

Danach waren wir bereit, nach aussen (rechte Hand) und nach innen (linke Hand) zu schiessen. Hier konnte ich feststellen, welch gute Übung das Schiessen im Trab darstellt: nur im Rhythmus des Pferdes ist ein brauchbarer Schuss möglich und du darfst niemals aufhören zu reiten, sonst verlässt dein Pferd den Kreis oder die Reihe.

Nach einigen Tagen schien es dann Zeit zu sein für den "Ernstfall": Wir hatten gerade den Geländeparcour für das Bogenschiessen vom Boden zweimal absolviert - 11 über das Gelände verteilte Scheiben sind aus den verschiedensten Distanzen und Winkeln schnell zu schiessen -, als uns Lajos auf der Terrasse vor dem Gästehaus mit einer Kiste Bier empfing. Etwas früh, dachte ich, aber was solls, und machte es mir gemütlich. Schon nach dem ersten Schluck eröffnete er uns, was er vorhatte: Allgemeine Mobilmachung war angesagt. So schnell wie möglich in den Kaftan, die Reitklamotten, rüberlaufen zum Stall, Satteln und im Galopp auf dem Reitplatz formieren. Er würde die Zeit nehmen. Gerade noch zwei Minuten, um das Glas zu leeren, dann drückte er auf den Knopf. Hier machte sich wirklich bezahlt, dass wir in den letzten Tagen auch gelernt hatten, die Pferde von beiden Seiten schnell zu satteln, zu zäumen, auf- und abzusitzen, ohne sie dabei unnötigem Stress auszusetzen: Nach nur sieben Minuten war die Gruppe in Formation auf dem Reitplatz. Das war aber nur die Einleitung. "Harci tempo" war angesagt, Gefechtstempo. Schiessen auf dem Zirkel im Trab, zuerst nach aussen, dann nach innen, bis der Köcher leer war, im Laufschritt Pfeile holen, sortieren, aufsitzen und weiter. Alles, ohne ein Wort zu sprechen und ohne den Zusammenhalt der Gruppe zu verlieren. Nach etwa vierzig Minuten die nächste Zeitnehmung: Pferde versorgen, Zivilkleidung anlegen und zurück auf die Terrasse: Nach vier Minuten sassen alle wieder beim Bier und holten erst einmal tief Luft.

Der tiefere Sinn dieser Übung ist recht einfach: Überflüssige Bewegungen vermeiden, Konzentration auf das Wesentliche, ohne dabei in Hektik zu verfallen. Mit einem Wort: Effizienz.

Wettkampf
Bildergalerie

Show
Bildergalerie

Unsere Pferde lernten wir in dieser kurzen Zeit sehr gut kennen und schätzen, sie uns auch. Dass der abschliessende Wettkampf für fast alle Teilnehmer recht unerfreulich endete, wenn man nur die Punkte zählt, ist der Tatsache geschuldet, dass wir alle um einiges besser reiten konnten als am Beginn der Woche. Für einen erfolgreichen Wettkampf hätten wir einige Tage länger und auch etwas Wettkampftraining gebraucht.

Aber zumindest für die Europäer ist der Mai-Wettkampf nicht mehr weit und ich werde, wenn es möglich ist, wieder den Buda als meinen Partner ausssuchen.

Inzwischen sind einige Wochen vergangen und ich freue mich auf ein Wiedersehen. Was ich von ihm und mit ihm gelernt habe, hat sich inzwischen in mir gesetzt und ich werde darauf aufbauen. Dass das Bogenschiessen vom Pferd sehr viel mehr mit Reiten zu tun hat, als dem unbefangenen Zuschauer erscheinen mag, erschliesst sich erst dem schon ein wenig fortgeschrittenen Reiter und auch ihm nur mit dem vertrauten und vertrauenden Pferd. Der hochsensible junge Araber ist der beste Gesprächspartner, wenn der Reiter es versteht, ihm zuzuhören.

(Johannes Fischnaller)

 

zurück

 

 

 

 

 

Aktuelles
Bildergalerien
Videos
Presse
Partner
Kontakt
Impressum
Für Mitglieder
REITERBÖGEN



Mitglied der HAWA - Horseback Archery World Association (Weltverband der berittenen Bogenschützen)

(c) horsebackarchery.net