Kassai - Reiterbogenschule Österreich
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Lajos Kassai

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21 Samurai 21 Samurai

Ein Buch von Dr. Gubacsi Attila und
Barta Balázs

Interview mit Lajos Kassai

 

Lajos Kassai - Berittener Bogenschütze

Ich glaube, dass man nicht als unbeschriebenes Blatt auf diese Welt kommt. Auf meinem Blatt stand in Großbuchstaben: Bogenschießen zu Pferd. Ich ging nicht einmal noch zur Schule, als mir meine Mutter allabendlich das Buch "Der unsichtbare Mensch" wie ein Märchen vorgelesen hatte. Die darin vorkommenden Bilder fesselten und faszinierten mich so sehr, dass ich beschloss: Ich will Bogenschütze zu Pferd werden und in die Fußstapfen meiner Ahnen, der Hunnen, treten. Demzufolge fertigte ich als Kind natürlich aus jedem Material, das elastisch war, Bögen an. Das geriet in der Pubertät und später bei der Familiengründung zwar in Vergessenheit, doch nahm ich danach das Anfertigen von Bögen wieder auf. Ich entdeckte, das es keine kindlichen und erwachsenen Dinge gab, sondern einen Lebensweg, den man anfangs als Kind, später als Erwachsener beschreitet. Ich begann, mich ernsthaft mit dem Anfertigen von Bögen zu beschäftigen, und erreichte bei diversen Wettbewerben mit den von mir hergestellten Bögen ganz gute Resultate. Auf jeden Fall war es aber mein Ziel, dass die gefürchteten Bögen meiner Ahnen irgendwie wieder Verwendung fanden. Vielleicht kennt jeder das mittelalterliche Gebet, das im Westeuropa des X. Jahrhunderts verbreitet war: "Vor den Pfeilen der Ungarn errette uns, o Herr!" Vor diesen Pfeilen erzitterte ganz Europa. Mein Ziel war es nicht, den Ahnen zu folgen, sondern ich wollte der Sache folgen, der sie gefolgt waren. Ich wollte genau solche Bögen herstellen, die auch sie gebraucht hatten, unter Verwendung modernster Technologien und Materialien. Diese Technologien und Materialien haben den alten gegenüber nur den Vorteil, dass sie heute in großen Mengen zur Verfügung stehen und, dass sie zeitbeständiger sind. Genau den gleichen Weg haben auch die Koreaner, die Japaner und die Angelsachsen beschritten, die die Traditionen der Bogenschützen bewahrt haben. Mein Traum ging vor 15 Jahren in Erfüllung, als es mir nach langen Versuchen gelang, ein gebrauchsfähiges und seriell produzierbares Bogenmodell, wie es in der Zeit der Landnahme Verwendung gefunden hatte, herzustellen.

Was hat Sie an dieser Waffe so fasziniert?

Ihre Form hat mich in ihren Bann gezogen, aber als ich ein gebrauchsfähiges Modell hergestellt hatte, wandte ich mich sofort dem Bogenschießen zu Pferde zu, weil es mich reizte zu erfahren, wie man einen solchen Bogen auf dem Pferd reitend verwenden kann und wie ihn unsere Vorfahren gebraucht haben könnten. Mit dieser Art von Bogen hatte ich aber auf den Schießplätzen nichts verloren, denn in Ungarn herrschte der auf angelsächsischen Grundlagen basierende Stil des Bogenschießens vor. Es verblüffte mich, dass von den Traditionen nichts erhalten geblieben war, und dachte mir, dass ich unter solchen Umständen auf diesen Schießplätzen nichts verloren hatte. Dann begann ich mit dem Reiten. Ich schrieb mich in eine klassische Reitschule, die Agraruniversität Pannon, ein, wo man das Reiten "selbstverständlich" auf der Basis von preußischen und angelsächsischen Grundlagen unterrichtete. Nach der ersten Reitstunde dachte ich mir daher, dass ich hier nichts verloren hatte, da die Gefühlsgrundlage dessen, was ich mache, und dessen, was ein Preuße mit dem Pferd anstellt, ja vollkommen verschieden ist. Das setzt einen völlig anderen Gedankengang, eine andere Lebensanschauung voraus. Ich wollte zu den nationalen Besonderheiten zurückkehren, die im Laufe der Zeit bedauerlicherweise in Vergessenheit geraten waren.

Nahmen Sie das alleine in Angriff?

Als ich mich in dem Land, in dem ich lebe, genauer umsah, bemerkte ich, dass von unserer geschichtlichen Vergangenheit nichts übrig geblieben war. Ich fühlte mich ein wenig allein gelassen. Mit der Bewahrung militärischer Traditionen, die weltweit so viele Menschen mobilisieren kann, befasste sich damals in Ungarn niemand. Anfangs dachte ich, dass ich im Dunkeln tappe, stieß aber dann langsam auf Menschen, die ähnlich dachten und die die Bewahrung der militärischen Traditionen als eines ihrer Lebensziele ansahen. Es ist eine sehr wichtige Sache, dass die Vergangenheit nicht endgültig in Vergessenheit gerät, sondern zumindest in einer solchen Form weiterlebt.

Wenn Sie keine passende Reitschule gefunden haben, wie haben Sie dann reiten gelernt?

Um den Preis wahnsinnig großer Mühen. Ich ergriff jede Gelegenheit, um reiten zu können, und da ich kein eigenes Pferd hatte, hatten mich meine Freunde immer am Hals. Ich musste ungemein viele Rückschläge und Schwierigkeiten in Kauf nehmen und sehr viele Unfälle erleiden, bis ich das Können erreichte, das ich heute mein Eigen nenne. Aber das, was ich zustande gebracht habe, entschädigt mich für alles: Ich habe das Bogenschießen zu Pferde wieder auferstehen lassen. Heute habe ich Schüler auf der ganzen Welt, habe viele Länder bereist und unterrichte regelmäßig sowohl in Westeuropa als auch in den Vereinigten Staaten: Ein ungarischer Sport war entstanden.

Wann begannen Sie diesen Platz, wo Sie jetzt leben, auszugestalten?

Eines schönen Tages ritt ich auf einem Pferd, das völlig eigensinnig war und das man auch nicht lenken konnte. Es riss mich mit sich fort und brachte mich in das Tal, wo ich heute wohne, wo ich meine Bahn für berittene Bogenschützen habe und meine Pferde halte. Das geschah vor 15 Jahren. Als das Pferd, nachdem es durch ein Meer von Unkraut, das damals dieses Tal überzog, galoppiert war, stehen blieb, weil es nicht mehr weitergehen konnte, da es von allen Seiten von steilen Mauern umgeben war, dachte ich, dass ich dort angekommen war, wo ich sein musste, dass ich meinen Platz in der Welt gefunden hatte, dass ich zuhause war. Von da an kam ich regelmäßig in das Tal zurück, machte dort meine Übungen, als ob ein riesiger Magnet dort gewesen wäre, der mich mit unerklärlicher Kraft zurückzog. Ich begann den Wald zu säubern, die Unmengen an Unkraut wegzuschaffen, von dem die Umgebung bedeckt war, und es gelang mir nach 1990 dieses Gebiet zu kaufen, was ein großer Fortschritt war, denn es war eine Basis für das Bogenschießen zu Pferde entstanden, auf die man die weiteren Schritte bauen konnte. Dieses Tal ist nun weltweit das Zentrum für das Bogenschießen zu Pferde. Häufig halte ich hier internationale Trainingslager ab.

Als Sie um den Preis vieler, vieler Rückschläge versuchten, so reiten zu lernen, wie unsere Vorfahren geritten sein könnten, was hat sie auf diesem Weg geleitet?

Die Natürlichkeit. Ich denke, dass das Pferd einem das Reiten beibringt und der Bogen das Schießen. Beim Bogenschießen zu Pferde muss man einen vollkommenen Einklang mit dem Tier erreichen, da man ja die Zügel nicht hält. Wenn ich ein Pferd kaufe, und ich kaufe auf jeden Fall nur Fohlen und im Allgemeinen Hengste, beobachte ich über Monate, wie es sich in die Gemeinschaft einfügt, wer seine Feinde sind, wer seine Freunde. Diese armen Tiere haben einen langen Weg vor sich, bis sie sich von neuem an ihr natürliches Umfeld gewöhnen. Die heute verbreitete Stallhaltung ist ja ein ziemlich tödliches System für die Pferde. Das Pferd ist für Steppen, für freie Räume, für das grüne Gras geschaffen. Den Großteil meines Lebens verbringe ich auf Pferden. Ich besitze zwölf speziell ausgebildete Pferde, die ich während langer Jahre ausgesucht habe. Aber ich tausche auch jährlich 4-5 Pferde aus und experimentiere immer wieder mit neuen Tieren.

Sie müssen auf ungemein viel verzichten, tagtäglich kämpfen. Warum machen Sie das?

Ich mache es, weil ich es gern mache. Mein Leben hat keine andere Antriebsfeder. Dass daraus ein Sportzweig wurde und danach Weltrekorde entstanden und dass dieser Sport in ein bis zwei Jahrzehnten wahrscheinlich olympisch sein wird, all das ist nur die Folge der Art und Weise, wie ich lebe. Die Folge der unzähligen Trainingsübungen, die meinen Alltag ausmachen. Außerdem leite ich auch eine Bogen erzeugende Manufaktur, die mich zeitlich sehr in Anspruch nimmt: Was die Zeit anbelangt, tanze ich einen Tanz auf des Messers Schneide.

Sie haben auch eine ansehnliche Anzahl von Schülern hier. Wie hat das begonnen?

Ich habe einen Bekannten, der hier in Kaposvár Geschichtslehrer ist, und der mich einmal fragte, ob er seine Schüler mitnehmen könnte, damit sie mich kennen lernten. Später kam dann eine Gruppe nach der anderen, und heute kommen Schüler zum Geschichtsunterricht schon aus allen Teilen des Landes. Ich halte es für wichtig, dass die Kinder aktive Teilnehmer dieser Stunden sind. Zuerst führe ich ihnen einiges vor, damit sie sehen, wie ihre Vorfahren diese Waffen benutzt haben. Denn die unglaublich langen und harten Feldzüge, die unsere Ahnen im IX.-X. Jahrhundert geführt hatten, machten es möglich, das im Karpatenbecken eine Großmacht entstand. Die Gesellschaft der Ungarn, die mit einem sehr unpassenden Wort Abenteurer genannt wurden, war also keine nur locker strukturierte, barbarische Gesellschaft, sondern ein unglaublich gut organisierter militärischer Staat. Diese innerasiatische Machtstruktur war auch für unsere verwandten Völker charakteristisch: für die Skythen, die Hunnen, die Awaren und später auch für die Mongolen. Die außerordentlich schwierige Kampftechnik, die in der damaligen Zeit von den Ungarn angewandt wurde, verlangte einen ganzen Mann. Kein einziges Volk konnte sie übernehmen, obwohl es versucht wurde. Die Byzantiner zum Beispiel wollten die ungarische Kampftechnik in ihre Schlachtordnung aufnehmen, weil sie gesehen hatten, wie wirkungsvoll sie war. Aber es gelang ihnen nicht. Auch in Westeuropa wurden dazu Versuche unternommen, die ebenso fehlschlugen. Es gelang ihnen genau aus dem Grunde nicht, weil diese Kampftechnik mit einer bestimmten Weltanschauung und mit bestimmten Denk- und Lebensweisen verbunden ist. Die Ungarn lebten in einer außerordentlichen engen Beziehung zu den Tieren und der Natur. Von Kindesbeinen an hatten sie einen natürlichen Bezug zum Pferd, zum Bogen; und als sie erwachsen waren, gebrauchten sie diese Waffen ganz selbstverständlich. Das zeige und erzähle ich den Kindern, und sie können es auch ausprobieren. Jedes Kind kann sich auf ein Pferd setzen und bekommt auch einen Bogen in die Hand.

Gibt es eigene Bögen für Kinder?

Selbstverständlich. Und auch die Pferde sind so trainiert, dass ich die Kinder ohne weiteres auf ihren Rücken setzen kann. Natürlich sitzen sie in Satteln, die denen aus der Zeit der Landnahme nachgemacht wurden; auch die Säbel und die Pfeile, alles ist original. Danach setzen wir uns in eine Jurte, die vor 160 Jahren in Kasachstan hergestellt wurde und genau so aussieht, wie die unserer Vorfahren, und ich erzähle ihnen, wie die Ungarn zur Zeit der Landnahme gelebt haben. Ich erzähle nur über Dinge, von denen man genau weiß, dass sie so waren, und ich lasse mich dabei auf keine gedanklichen Spielereien ein.

Sie haben gesagt, dass sich sehr viele Menschen auf der Welt mit der Bewahrung von Traditionen beschäftigen. Konnten Sie von ihnen etwas lernen, oder mussten Sie sich alles selbst erarbeiten?

Solange ich bei dieser Sache auf mich allein gestellt war, dachte ich, dass sie nur eine Marotte sei, bis ich dann nach Westeuropa kam, wo die Bewahrung militärischer Traditionen unglaublich viele Anhänger hat: in Italien, Deutschland, Österreich, England, aber auch in Japan und in den Vereinigten Staaten. Es entstanden auch immer mehr Kontakte. 1990 war eine japanische Gruppe bei mir. Als sie ihre Vorführungen präsentierten, merkte ich, dass diese jungen Leute, die völlig zeitgetreue Trachten anhatten, mit einer unglaublichen Disziplin und Begeisterung ihre Übungen vortrugen. Mit diesen Übungen stellten sie eine zeitgenössische Kampftechnik vor: das Kyudo-Bogenschießen. Ich hingegen saß damals noch in einem Westernsattel auf einem englischen Vollblut, in Jeans und T-Shirt und versuchte so, das ungarische Bogenschießen zu Pferde vorzustellen. Da erkannte ich, dass man das so nicht machen kann, dass man dazu viel mehr aus der Geschichte einfließen lassen muss. Ich ging also nach Japan, um mich dort inspirieren zu lassen. Die Leute dort haben ja schon im XX. Jahrhundert das XXI. Jahrhundert dargestellt, und diese sehr hoch stehende technische Zivilisation besteht gemeinsam mit den uralten Traditionen. Ich war daran interessiert, in wieweit man die von mir empfundenen Sehnsüchte und Bestrebungen, ich denke da an die Pflege der Vergangenheit und der Traditionen, in die moderne Welt einbetten kann. Das war die Kardinalfrage meines Lebens. In Japan und später auch in China konnte ich mich davon überzeugen, dass diese scheinbar widersprüchlichen Dinge nicht nur miteinander in Einklang gebracht werden können, sondern dass es sogar sehr wichtig ist, die Traditionen in das moderne Leben zu integrieren. Nach zehn bis fünfzehn Jahre langer angespannter Arbeit gelang es in Ungarn, ein Niveau der Traditionsbewahrung zu erreichen, das andernorts in der Welt nie in Frage gestellt wurde. Heute haben wir schon große Erfolge erzielt und ich denke dabei nicht nur an das Bogenschießen zu Pferd, sondern auch an die Vertreter von mittelalterlichen Kampftechniken, hier vor allem an den Ritterorden des Heiligen Georg, dem wir sehr viel zu verdanken haben. Später kamen auch die Husaren auf, deren Klubs sich explosionsartig verbreiteten. Heute ist man schon in der Lage, bei einzelnen Vorführungen mehrere hundert Husaren in vollkommen zeitgetreuer Montur und Waffen aufmarschieren zu lassen, was nicht nur ein wunderschöner Anblick ist, sondern auch jede einzelne Veranstaltung enorm aufwertet.

Wie konnten Sie in Amerika Anhänger für diesen Sportzweig gewinnen?

Ich hatte schon in sehr vielen westeuropäischen Ländern Vorführungen dargeboten, als ich dann eines Tages nach Amerika eingeladen wurde, um auch dort an einer Veranstaltung, bei der angelsächsische Bögen benutzt wurden, eine Vorführung zu geben. Der Erfolg war so durchschlagend, dass ich sogleich zu einer Reihe von Vorführungen eingeladen wurde; und auch Schüler hatte ich sofort. Es ist interessant, dass die innerasiatischen Gesellschaften und alles, was mit ihnen zusammenhängt, vom Westen sehr schlecht beurteilt werden. Dies hat seine Wurzeln in der Unkenntnis. Ein weiterer Grund dafür ist, dass Leute über die Hunnen geschrieben haben, welche noch nie einen Hunnen gesehen hatten, jedoch versuchten, ein umso schlechteres Bild von ihnen zu zeichnen. Aber in Amerika hatte ich riesigen Erfolg. An den Amerikanern gefällt mir, dass sie nicht neidisch sind und das Können schätzen. Bei jener Vorführung hatte ich ein wenig die Rolle eines Straßenmusikanten, der es ausgesprochen schwer hat, wenn er die Aufmerksamkeit auf sich ziehen will. Das Publikum bestand aus Leuten, die Pferde besaßen, seit ihrer Kindheit mit den Tieren zusammenlebten und mit ihnen gut umgehen konnten. Solch ein Publikum konnte man nicht täuschen. Jetzt im Winter reise ich nach Kalifornien, um dort ein Trainingslager abzuhalten, von dort geht´s dann aufgrund des großen Interesses nach Kanada.

Wie gut stehen die Chancen für die Verbreitung dieses Sportzweiges?

Ausgehend vom internationalen Vergleich folgt auf Ungarn gleich Amerika, da die Leute dort gute Ansichten haben, gute Pferde besitzen und genug Raum zur Verfügung steht. In Europa ist man in dieser Beziehung sehr zurückgeblieben, ich weiß gar nicht, wann man das wird aufholen können: Die Ansichten sind vollkommen falsch, die Pferde sind schlecht und es gibt auch nicht genügend Raum.

Wie könnte man den Unterschied in der Denkweise beschreiben?

Ich habe sehr viele westeuropäische Schüler, die aus Deutschland, Italien und England mit fast monatlicher Regelmäßigkeit hierher kommen, und ich weiß von ihnen, welche enormen Schwierigkeiten es ihnen bereitet, aus der verschlossenen Denkweise auszubrechen, die für die dortigen Reiter charakteristisch ist. Die Unterschiede im Stil sind enorm: In dieser Sportart ist das Pferd ein gleichwertiger Partner. Allein, dass man bei diesem Sport das Reiten ohne Sattel erlernen muss, bereitet schon Schwierigkeiten. Wenn die Leute dann in eine Reitschule gehen und bitten, ihnen das Reiten ohne Sattel beizubringen, werden sie verständnislos angesehen. Außerdem muss das Pferd mit einem Nervenkostüm ausgestattet sein, das es erlaubt, den Gebrauch jedweder Waffe auf seinem Rücken zu dulden. Dazu sind sehr ruhige, ausgeglichene Tiere notwendig. Am besten sind die ungarischen Pferde und die hiesige Mentalität. Die Leute laufen immer gegen eine Wand, weil die Denkweise in Westeuropa eine sehr schlechte ist. Nicht so in Amerika, vor allem in den weiten Ebenen, zum Beispiel in Iowa, wo die Basis des dortigen Bogenschießens zu Pferde entstand. Als die Cowboys vom Rücken der Pferde die Lassos warfen, hielten sie genau so wenig die Zügel, wie wir während des Bogenschießens. Ihre Reittraditionen ähneln also stark den unsrigen. Daher sind auch ihre Pferde nach einer kurzen Umgewöhnung sehr für das Bogenschießen geeignet. Die rasanteste Entwicklung ging aber in der Südslowakei vor sich, wo heute schon ernstzunehmende Wettbewerbe veranstaltet werden, und woher auch die besten Bogenschützen kommen.

Wie viele beschäftigen sich heute mit diesem Sportzweig weltweit?

Sich hier festzulegen wäre eine sehr schwierige Sache. An den Wettbewerben nahmen bis jetzt 250 Leute teil, aber gewiss gibt es Unzählige, die ein Wettbewerbsniveau noch nicht erreicht haben. Es ist auch deswegen schwer auf diese Frage zu antworten, weil sehr viele meiner Schüler selbst in ihrer Heimat zu unterrichten begonnen haben. Zum Beispiel waren jetzt im Frühling Sioux-Indianer bei mir, um zu lernen. Ursprünglich wurden sie von den Alten in mein amerikanisches Trainingslager geschickt, die der Meinung waren, dass ihre Kultur endgültig verschwinden wird, wenn die Jungen die Reittraditionen ihrer Ahnen nicht lernen. Aber auch Amerika ist noch weit von dem Niveau entfernt, das es hier in Ungarn gibt, weshalb es das einzig Wahre ist, hierher zu kommen und hier zu lernen. Deswegen habe ich sie hierher zu einem wirklich ernstzunehmenden Trainingslager geladen, wo sie sehr viel lernten und jetzt auch die anderen Indianer unterrichten. Wenn sich der Sport in einem solchen Tempo entwickelt, sind die Chancen sehr gut, dass er in absehbarer Zeit olympisch wird. Auf jeden Fall wird das ein großer Durchbruch, denn jene Leute, die aus Westeuropa hierher kommen, wollen nicht nur den Sport kennen lernen, sondern auch die Kultur. Sie lernen Ungarisch und vertiefen sich mit unglaublichem Elan in die Fachliteratur. Sie wissen alles von der ungarischen Landnahme, von der Geschichte und Lebensweise der Ungarn im IX.-X. Jahrhundert und stellen mir heute schon Fragen, bei deren präziser Beantwortung ich mich wirklich zusammenreißen muss.

(Übersetzung: Paul Heinz)

 

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